Erste Hilfe

... bei einem drohenden SUDEP

Ein epileptischer Anfall, auch ein tonisch-klonischer Anfall (TKA), ist in der Regel nicht lebensbedrohlich. Gerade in der sog. postiktalen Phase, d.h. dem Zustand unmittelbar nach einem Anfall, kann es aber zu einem Herz-Kreislauf-Zusammenbruch kommen, der zum SUDEP führen kann (vgl. Was ist SUDEP). Hier ist erhöhte Vorsicht geboten.

Achten Sie nach einem Anfall für mindestens 45–60 min auf die Atmung! Haben Sie das Gefühl, dass der Betroffene nicht mehr atmet, müssen Sie sofort eingreifen. Hierbei sind die ersten 3 Minuten entscheidend.

SUDEP ereignet sich meist nachts. Nächtliche, schlafgebundene TKA treten häufig in den frühen Morgenstunden auf. Entsprechend ereignen sich viele SUDEP-Fälle in den frühen Morgenstunden im Anschluss an einen TKA. Falls Sie Sensortechnik zur nächtlichen Anfallsdetektion verwenden, können Sie eine gefährliche Situation zum Beispiel daran erkennen, dass das Gerät einen TKA oder sonstigen motorischen Anfall anzeigt, die Sauerstoffsättigung des Bluts abfällt, der Herzrhythmus oder Puls verändert sind oder abflachen, oder durch sonstige physiologische Parameter. Ob ein SUDEP abgewendet werden kann, hängt stark davon ab, wie rasch eine Betreuungsperson die bedrohende Situation bemerkt und ob sie weiß, wie sie in der Situation zu reagieren hat.

Im folgenden "Retterfilm" erklärt Dr. Martin Buchholz, Botschafter von stopSUDEP und Initiator der Herzretter Initiative „Ich kann Leben retten!“, auf was es im Notfall bei einer Herzdruckmassage ankommt.
Hinweis: Dieses Video ist als kurze Einführung gedacht und ersetzt keinesfalls ein ausführliches Reanimationstraining!

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Unterstützen Sie als erstes die Atmung des Patienten!  

Das kann helfen:
1. Lagern Sie die Person auf die Seite
2. Ansprechen, Wachrütteln
3. vorsichtiges Überstrecken der Halswirbelsäule

Befindet sich ein Betroffener während oder nach einem Anfall in Bauchlage, kann dies die Atmung erheblich erschweren. Atmungsstörungen nach einem TKA können verkürzt werden, indem Sie die Person auf die Seite lagern. Dies hält die Atemwege frei und verhindert, dass Speichel und Erbrochenes in die Luftröhre und Lunge gelangen. Ansprechen, Wachrütteln oder vorsichtiges Überstrecken der Halswirbelsäule können ebenfalls dabei helfen, dass die Atmung wieder anspringt. Das Überstrecken der Halswirbelsäule kann deswegen geboten sein, weil ein Atemstillstand auch durch eine Bewusstlosigkeit mit Zurückfallen der Zunge verursacht werden kann. Durch das Überstrecken unter Mitnahme des Kinns können die Atemwege frei gemacht werden, und die Spontanatmung kann wieder einsetzen. Sobald der Patient auf der Seite liegt, um die Atemwege freizuhalten, müssen Sie ein Rettungsteam benachrichtigen!

Führen die genannten Maßnahmen nicht zum sofortigen Einsetzen der Atmung, muss von einem akuten Herzversagen ausgegangen werden! Ist also keine (sichere) Atmung erkennbar, beginnen Sie sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Wenn Wiederbelebungsmaßnahmen nicht erforderlich sind, wird der Patient sich wehren. Liegen die Patienten nachts in ihren Betten, müssen sie vor Beginn der Reanimation auf eine harte Unterlage gelegt werden. Eine Reanimation auf einer weichen Matratze ist nicht möglich!

Ist nur ein einzelner Retter vor Ort, alarmiert er immer erst den Notruf (112) und öffnet alle Türen. Dann muss sofort mit der andauernden Herzdruckmassage (120 mal Drücken pro Minute) begonnen und konsequent weitergeführt werden, bis das Rettungsteam eintrifft. Ungeübte müssen in dieser Zeit nicht unbedingt eine Mund zu Mund Beatmung durchführen, da erfahrungsgemäß für diesen Zeitraum ausreichend Sauerstoff im Blut vorhanden ist.

Sollte sich ein AED (Automatischer Externer Defibrillator) in erreichbarer Nähe befinden, kann eine zweite Person diesen holen und einsetzen. Niemals darf der Patient in dieser Situation alleingelassen werden. Sind mehrere Retter vor Ort, teilt man sich die Aufgaben (d.h. Alarmierung, Herzdruckmassage, Einsatz eines AED, Beatmung) in sinnvoller Weise auf und wechselt sich insbesondere bei der Herzdruckmassage alle 2 Minuten ab.

Um angemessen reagieren zu können, sollten Angehörige und Betreuer von Menschen mit Epilepsie regelmäßig in der kardiopulmonalen Wiederbelebung, also der Herzdruckmassage mit Beatmung geschult werden. Die Herzdruckmassage muss in einem speziellen Herzretter Training an entsprechenden Schulungspuppen praktisch erlernt und eingeübt werden. Dieses Training sollte regelmäßig, am besten jährlich wiederholt werden. In Hamburg bietet der Verein "Ich kann Leben retten! e.V." u.a. kostenlose Kurse für Schulen an. Auch in den ausführlichen Erste-Hilfe-Kursen der bekannten Hilfsorganisationen kann man dieses Wissen erwerben. Informieren Sie sich!

In vielen Fällen kann ein SUDEP durch solche rechtzeitigen Maßnahmen verhindert werden. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass 70% der SUDEP-Fälle vermeidbar sind.

... bei einem epileptischen Anfall

Kommt es nach einem Anfall zu Atemproblemen und Atemstillstand, besteht eine lebensbedrohliche Situation mit hohem SUDEP-Risiko, in der schnell eingegriffen werden muss. Ein epileptischer Anfall ist im Gegensatz hierzu in der Regel nicht lebensbedrohlich. Oft besteht die Gefahr eher darin, dass der Betroffene stürzen kann, oder dass sich gefährliche Gegenstände im Anfallsumfeld befinden. Trotzdem sind hier einige wichtige Dinge zu beachten. Obwohl Epilepsien eine häufige neurologische Erkrankung sind, existieren immer noch falsche Vorstellungen darüber, wie man einer Person, die einen Anfall erleidet, helfen sollte. "Falsche Hilfe" kann in einem Notfall sogar Schaden zufügen. Hier einige wichtige Hinweise.

.... was sollte man bei einem "großen Anfall" tun?

Bleiben Sie ruhig!

Schützen Sie die Person, die einen Anfall erlebt vor möglichen Verletzungen! Entfernen Sie hierfür scharfe / spitze Gegenstände aus dem Umfeld oder führen Sie die Person aus dem Gefahrenumfeld!

Schützen Sie den Kopf, beispielsweise durch ein Kissen und lagern Sie die Person nach dem Anfall auf die Seite!

Helfen Sie der Person, die Atemwege frei zu halten! Entfernen Sie hierfür, wenn nötig, alle Gegenstände, die sie beim Atmen behindern könnten, z.B. Krawatten.

Schauen Sie auf die Uhr und prüfen Sie, wie lange der Anfall dauert!

Rufen Sie den Notruf, wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert oder Sie sich unsicher sind, wie lange die Person schon krampft!

Bleiben Sie bei der Person, bis der Anfall vorbei ist, sie wieder zu sich kommt und sich allein orientieren kann!

.... was sollte man NICHT tun?

Versuchen Sie nie, die Person festzuhalten oder festzubinden! Das kann Verletzungen zur Folge haben bis hin zu Knochenbrüchen!

Versuchen Sie nie, etwas mit Gewalt aus den Händen der Person im Anfall zu entfernen! Zum Beispiel können Sie ein Messer mit einem Tuch umwickeln oder eine Zigarette abbrechen.

Versuchen Sie nie, etwas in ihren Mund zu schieben. Das kann mehr Schaden anrichten, als ein eventueller Zungenbiss!

Hilfreiche und aktuell Informationen zur Ersten Hilfe bietet die Schweizerische Epilepsie-Liga mit der Aufklärungskampagne Erste Hilfe bei einem Anfall. Die Informationsmaterialien sind online zugänglich. Sie beinhalten ein kurzes Video, Flyer und Berichte von Menschen mit Epilepsie - "Denn helfen ist einfach". Informieren Sie sich!

Für Eltern mit epilepsiekranken Kindern oder anderen Betreuungspersonen möchten wir zudem auf die Erste-Hilfe-Informationen des 
epilepsie bundes-elternverbandes e.V. hinweisen. Hier finden sie auch Flyer in einfacher, kindgerechter Sprache sowie "Erste Hilfe in Bildern".